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Methyltestosteron handelt es sich um eines der ältesten oralen
anabolen
androgenen Steroide überhaupt. Nachdem es Wissenschaftlern in
den Dreißigern
gelungen war, die Struktur des körpereigenen Testosterons zu
entschlüsseln und
zu verstehen, bestand einer der nächsten logisch folgenden
Schritte darin, den
Wirkstoff Testosteron oral verfügbar zu machen. Da reines
Testosteron bei der
oralen Einnahme beim so genannten First Pass durch die Leber nahezu
vollständig
zerstört wird, bedurfte es für eine orale
Verfügbarkeit bestimmter
Modifikationen des Testosteron-Moleküls.
Der erste erfolgreiche Versuch, dies zu erreichen, war die
Entwicklung
von Methyltestosteron. Weitaus später folgten
bukkales/sublinguales Testosteron,
welches über die Mundschleimhaut aufgenommen wird und Testosteron
Undecanoat
(Andriol), welches aufgrund seiner hohen
Fettlöslichkeit über das lymphatische
System aufgenommen werden kann. Sexualhormone stellten in den
frühen Fünfzigern
für einige Pharmakonzerne eine sehr lukrative Einnahmequelle
dar. Beim
Pharmakonzern Ciba waren damals z.B. die drei Wirkstoffe Testosteron,
Progesteron und Methyltestosteron für knapp 25 % des gesamten
Firmenumsatzes
verantwortlich. Da es sich bei Methyltestosteron um einen sehr alten
Wirkstoff
handelt, der mit vielen Nebenwirkungen
behaftet ist, erstaunt es umso mehr,
dass auch heute noch ein Drittel des in Amerika verschriebenen
Testosterons in
Form von Methyltestosteron von Ärzten verordnet wird.
Strukturell
gesehen handelt es sich beim anabolen androgenen Steroid
Methyltestosteron um
ein Testosteron-Molekül, welches durch Anhängen einer
Methylgruppe an Position
17 oral verfügbar gemacht wurde. Aufgrund dieser
17-alpha-Alkylierung ist
Methyltestosteron wie alle anderen 17-alpha-alkylierten Steroide
potentiell leberschädlich,
weshalb seine Einnahme in der Praxis meist auf maximal 6 bis 8 Wochen
beschränkt wird. Methyltestosteron ist moderat androgen und
anabol, wobei die
androgene Wirkung schwächer als die von Testosteron
ausfällt. Auch wenn
Methyltestosteron durch das Aromataseenzym nicht so effizient in
Östrogen
umgewandelt werden kann wie Testosteron, besitzt Methyltestosteron doch
stark
ausgeprägte östrogenbedingte Nebenwirkungen, die sich
in starken
Wassereinlagerungen, erhöhtem Blutdruck und einem
erhöhten Risiko für das
Auftreten einer Gynäkomastie äußern. Dies
beruht auf der Tatsache, dass
Methyltestosteron durch das Aromataseenzym in
17-Methylöstradiol umgewandelt
wird, welches wie Methyltestosteron nur schlecht von der Leber abgebaut
werden
kann und somit erheblich länger als Östrogen im
Körper aktiv ist. Neben
den östrogenbedingten Nebenwirkungen
besitzt Methyltestosteron auch ausgeprägte androgene
Nebenwirkungen, die sich
unter anderem in fettiger Haut, Akne, verstärkter
Körperbehaarung, Haarausfall
und einem erhöhten Risiko für
Prostatavergrößerungen äußern.
Auch hier spielt
die 17-alpha-Alkylierung eine verstärkende Rolle. Das
Reduktase-Enzym wandelt
Methyltestosteron statt in Dihydrotestosteron in
17-alpha-Methyldihydro-Testosteron um, welches wie bereits
17-Methylöstradiol
nur schlecht von der Leber abgebaut werden kann.
Da das
anabole androgene Steroid Methyltestosteron wie bereits beschrieben ein
sehr
starkes Potential für Nebenwirkungen besitzt und
zusätzlich aufgrund seiner
kurzen Halbwertszeit und nur moderaten anabolen Wirkung mehrmals
täglich in
relativ hohen Mengen eingenommen werden müsste, stellt es vom
Nutzen-/Risiko-Verhältnis keine besonders gute Wahl dar. Die
mit
Methyltestosteron aufgebaute Muskelmasse ist stark von
Wassereinlagerungen geprägt
und geht zu einem großen Teil nach dem Absetzen schnell
wieder verloren, da
einerseits das eingelagerte Wasser ausgeschieden wird und andererseits
die
körpereigene Testosteron-Produktion durch Methyltestosteron
sehr effizient
unterdrückt wird. Natürlich könnte man den
Nebenwirkungen mit einem
Antiöstrogen wie Tamoxifen (Nolvadex) oder besser noch mit
einem
Aromatasehemmer wie Arimidex, Aromasin oder Femara in Verbindung mit
einem
Reduktase-Hemmer wie Finasterid (Proscar) entgegenwirken. Die Tatsache,
dass
die Kosten dieser begleitenden, nur die Nebenwirkungen
bekämpfenden Produkte
die Kosten des eigentlichen Wirkstoffes Methyltestosteron bei weitem
übersteigen würden, und man für weniger Geld
nebenwirkungsärmere und
wirkungsvollere anabole androgene Steroide erhalten kann,
führen diese
Vorgehensweise jedoch ad absurdum.
Methyltestosteron
ist jedoch aufgrund einer anderen Eigenschaft bei vielen Kraftsportlern
und
hart trainierenden Bodybuildern beliebt. Methyltestosteron steigert
kurzfristig
nach der Einnahme sowohl Kraft als auch Aggression deutlich. Aus diesem
Grund
wird Methyltestosteron gerne vor einer besonders intensiven
Trainingseinheit
oder einem Wettkampf eingenommen. Typische beobachtete Dosierungen
liegen
hierbei im Bereich von 25 bis 50 mg Methyltestosteron etwa 60 Minuten
vor dem
gewünschten Wirkungseintritt. Beliebt ist hierbei auch die
sublinguale Einnahme
von Methyltestosteron, da diese die Aufnahme des Wirkstoffes stark
beschleunigt. Diejenigen, die Methyltestosteron trotz aller dieser
Vorgehensweise
widersprechenden Gründe für den Muskelaufbau
einnehmen, verwenden in der Praxis
meist Dosierungen im Bereich von 50 – 100 mg
Methyltestosteron pro Tag.
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