| Bei
Andriol (Wirkstoff Testosteron Undecanoat, andere Namen: Andriol
Testocaps,
Restandol, Undestor, Virigen) handelt es sich um ein orales
Testosteron-Präparat, das in den frühen Achtzigern
von der Firma Organon auf den
Markt gebracht wurde. Die Darreichungsform von Andriol unterscheidet
sich von
allen anderen bekannten Darreichungsformen anaboler androgener
Steroide. Da
oral verabreichtes Testosteron beim so genannten First Pass durch die
Leber
nahezu vollständig zerstört wird und
17-alpha-alkyliertes Testosteron (Methyltestosteron)
zwar bei oraler Einnahme stabil ist, aber die Leber stark belastet, hat
man
sich bei Organon etwas Neues ausgedacht. Das Testosteron
Molekül wurde mit
einem langen Undecanoat Ester versehen, wodurch dass das entstehende
Testosteron Undecanoat Molekül sehr gut fettlöslich
wird. Dieses Testosteron
Undecanoat wird in Rizinusöl gelöst und in Gelkapseln
gefüllt. Bei oraler
Einnahme wird das gut fettlösliche Testosteron Undecanoat im
Dünndarm über das
lymphatische System aufgenommen und umgeht so den
zerstörerischen First Pass
durch die Leber. Nachdem das Testosteron Undecanoat auf diesem Weg in
der
Blutbahn angekommen ist, wird der Esten entfernt und es verbleibt
freies
zirkulierendes Testosteron.
Auf dem
Papier mag Andriol den Eindruck des perfekten anabolen androgenen
Steroids
machen. Andriol ist nicht leberschädlich, da der Wirkstoff
Testosteron
Undecanoat nicht 17-alpha-alkyliert ist, es muss nicht injiziert werden
und der
enthaltene Wirkstoff Testosteron ist für seine gute
muskelaufbauende Wirkung
bekannt. Leider trifft hier das bekannte Sprichwort zu: „Wenn
etwas zu gut
klingt, um wahr zu sein, dann ist es meist auch nicht wahr.“
In der Praxis ist
die Bioverfügbarkeit von in Form von Andriol
zugeführtem Testosteron sehr
gering, so dass im Vergleich zu injiziertem
Testosteron oder 17-alpha-alkyliertem
Methyltestosteron enorme Mengen an oral zugeführtem
Testosteron Undecanoat
benötigt werden, um halbwegs passable Wirkstoffspiegel zu
erreichen. Bei
Dosierungen bis 240 mg Testosteron Undecanoat, was 6 Kapseln Andriol
entspricht, wird in der Praxis selbst bei Steroid-Neulingen kaum eine
Wirkung
sichtbar. Selbst bei Dosierungen im Bereich von 320 – 400 mg
Testosteron
Undecanoat (8 bis 10 Kapseln Andriol) pro Tag berichten
Anfänger nur von
moderaten Massezuwächsen, die sich meist im Bereich von 5
Pfund über einen
Zeitraum von 6 Wochen bewegen. Wenn man jetzt noch den hohen Preis
einer
solchen Andriol Dosierung berücksichtigt, der im Bereich des
Zehnfachen einer
wöchentlichen Injektion von 250 mg Testosteron Enantat liegen
dürfte, welche
wahrscheinlich von der Wirkung her mit 10 Kapseln Andriol pro Tag
vergleichbar
wäre, dann klingt Andriol bei weitem nicht mehr so
interessant.
Wenn man
trotz allem gewillt ist eine minimale anabole Wirkung durch eine
spürbare
katabole Wirkung auf den Geldbeutel zu erzielen, dann gibt es einige
weitere
Punkte, die bei Andriol beachtet werden sollten. Laut einer
Verlaufskurve des
Herstellers erreicht der Wirkstoffpegel des Testosterons im Blut nach
etwa 2
Stunden sein Maximum und fällt anschließend
über 8 bis 10 Stunden wieder auf
null ab. Dies erklärt, warum in der Praxis die besten
Resultate erzielt werden,
wenn alle 3 bis 4 Stunden zwei Kapseln Andriol eingenommen werden.
Längere
Intervalle würden zu übermäßig
starken Schwankungen des Testosteron-Spiegels
führen. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die
Fähigkeit des
lymphatischen Systems Testosteron Undecanoat aufzunehmen von Person zu
Person
stark variiert, was dazu führen kann, dass sehr
unterschiedliche individuelle
Dosierungen notwendig werden können. Bei einer Studie mit 4
Probanden stiegen
die Testosteron-Spiegel nach der Einnahme von Andriol bei der Person
mit der
schlechtesten Aufnahme nur um 11,5 nmol Testosteron/L ,
während sie bei der
Person mit der besten Absorptionsrate um 60,1 nmol Testosteron/L
anstiegen.
Dies ist ein individueller Unterschied von etwa 550 %! Erfahrungen aus
der
Praxis haben gezeigt, dass die Aufnahme von Testosteron Undecanoat am
besten
funktioniert, wenn Andriol zusammen mit einer fetthaltigen Mahlzeit
eingenommen
wird.
Bei Andriol
hält sich hartnäckig das Gerücht, dass
dieses keinerlei Nebenwirkungen
besitzt
und auch die körpereigene Testosteron-Produktion nicht
unterdrückt. Wenn man
jedoch berücksichtigt, dass es sich beim Wirkstoff von Andriol
lediglich um
eine andere Darreichungsform von Testosteron handelt, dann sollte
selbst der
Laie sofort erkennen, dass Andriol potentiell dieselben Nebenwirkungen
wie jedes
andere Testosteron-Präparat auch besitzt. Dass in der Praxis
nur selten solche
Nebenwirkungen beobachtet werden, dürfte mit ziemlicher
Sicherheit daran
liegen, dass die durch die Einnahme von Andriol erzielten
Testosteron-Spiegel
im Körper so gering sind, dass sie nur minimale Nebenwirkungen
verursachen
können.
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